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Der eine Gott in drei Gestalten

Die philosophische Predigt von P. Maly SJ am 06. September 2020

Nach längerer Corona-Pause konnte Anfang September die unsere traditionelle Reihe „Die philosophische Predigt“ in St. Canisius fortgesetzt werden. P. Maly SJ, der wegen des Lockdowns seine schon seit längerem geplante Predigt verschieben musste, konnte nun in einer wieder vollbesetzten Kirche unsere Gedanken zum schwierigen Thema der Dreifaltigkeit Gottes anregen.

Wie können wir uns den einen Gott in drei Personen − Vater, Sohn und Heiliger Geist − vorstellen? Was unterscheidet die drei Gestalten in der Einheit Gottes? Nach einer Einführung in die Geschichte dieser Fragen von den frühchristlichen Konzilien bis in die gegenwärtige Philosophie nahm und P. Maly SJ mit auf ein Gedankenexperiment, angelehnt an den englischen Professor Brian Leftow in Oxford.

Wir stellen uns eine Showtanzgruppe mit 36 Tänzerinnen vor, die sich durch ihr Äußeres sehr ähnlich sehen. Nun werden 35 der 36 Tänzerinnen krank und können nicht auftreten. Wäre es der verbleibenden Tänzerin möglich, durch die Zeit zu reisen, so könnte sie zuerst an der Position der ersten Tänzerin auftreten, würde dann in der Zeit zurückreisen und zu Beginn der Show nun an der zweiten Position tanzen, wiederum zurückreisen, die dritte Position einnehmen usw. Während für die Tänzerin diese Ereignisse nacheinander geschehen, würde eine Person im Publikum die gesamte Show mit 36 Tänzerinnen wahrnehmen.

Unter der Voraussetzung, dass Gott selbst nicht an Zeit und Raum gebunden ist, kann mithin Gott in unterschiedlicher Form zur gleichen Zeit an gleichen oder unterschiedlichen Orten auftreten.

Damit ist zunächst aber nur die Gleichzeitigkeit der einen göttlichen Person, nicht aber die unterscheidbare Personalität der drei göttlichen Gestalten beantwortet. Der Vater ist dabei insofern Vater als er in seiner Beziehung zu Sohn und Geist der fruchtbare Ursprung von allem ist, während aus dem Sohn, als vom Vater gezeugt, mit dem Vater gemeinsam, der Heilige Geist hervorgeht − oder, mit Anselm von Canterbury − die drei Gestalten als Quelle (Vater), als in Liebe durchfließender Strom (Heiliger Geist) und in der Umkehr von der Sünde als Mündung (Jesu) nur Teile ein und desselben Flusses sind.

Auch wenn wir uns als Menschen der Tiefe der Person Gottes stets und bestenfalls nur annähern können, so vertrauen wir doch darauf, durch Jesus Christus einmal in dieses Geheimnis mit hineingenommen zu werden.