Meldung

Der lange Weg der Frauen zur Priesterinnenweihe

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) mit Büro in der benachbarten Wundtstraße war – wegen der Abstandsregeln – in unserer Kirche für einen Diskussionsabend zu Gast. Die Frauen brachten ein brisantes Thema und hochkarätige Diskutantinnen mit: Die Schweizer Theologin Jacqueline Straub und die Pfarrerin für Frauenarbeit in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) Frau Magdalena Möbius.

Barbara John (CDU-Politikerin und Vorsitzende des KDFB Berlin) begrüßte die etwa 40, meist weiblichen Gäste vom Ambo. Sie stellte stichwortartig die Punkte des ausgeteilten Positionspapiers (Link: https://www.kdfb-berlin.de/pressemitteilungen/detailansicht/article/fuer-frauenweihe-und-gleichberechtigte-mitbestimmung/) vor: Stimme für starke Frauen. Zu den zentralen Forderungen zählt u.a. das Thema des Abends: der Zugang von Frauen zu allen Weiheämtern.

Sie übergab dann das Mikro an die Moderatorin Elisabeth Lay, die dann abwechselnd Frau Straub und Frau Möbius befragte. Am Ende konnte das Publikum Fragen stellen.

Frau Straub erzählte zunächst von ihrer Berufung und Sehnsucht, Priesterin zu werden. Mit 17 beschloss sie, den langen Marsch zu wagen. Inzwischen ist sie 30, hat den theologischen Abschluss, aber immer noch keine Weihe! Die Widerstände – etwa von Papst Benedikt XVI oder von Priesterseminaristen oder Hass-Postings im Internet – hätten sie nur überzeugter gemacht. Sie will sich nicht abfinden, „dass man mich nicht haben will“, so die Theologin. Statt auf revolutionäre Schritte wie die legendäre Priesterinnenweihe 2002 auf der Donau setzt sie auf Beharrlichkeit. „Ich will nervtötend sein!“, so die Schweizerin. Kraft für ihren Weg findet sie bei Jesus, etwa in dessen Gleichnissen, in denen ein Blick, eine Wertschätzung und Sensibilität für frauliche Belange deutlich wird. „Es wird sich lohnen! Die Früchte werden sich zeigen!“ Sie bittet Gott um Kraft für einen langen Kampf, denn dass dies ein mühsames Unterfangen wird, darüber macht sie sich keine Illusionen.

Pfarrerin Magdalena Möbius von der EKBO berichtete, dass die Emanzipation in der evangelischen Kirche auch nicht einfach war und die volle Gleichberechtigung auch jetzt noch keineswegs erreicht sei. Zwar gab es nach dem Krieg schon Pfarrerinnen, aber das war nur ein kriegsbedingtes Zugeständnis, das man wieder zurückfahren wollte. Richtig los ging es erst ab den 70er Jahren. Verbissene Kleinkriege – z.B. ob Frauen, wenn sie schon Pastorinnen werden auch den Titel „Pfarrerin“ oder einen richtigen Talar tragen dürfen – muten heute skurril an, waren aber lange Zeit bittere Alltagsrealität. Zwar sind heute 37% der Pfarrer Pfarrerinnen, aber schon auf der mittleren Leitungsebene schrumpft der Anteil in der EKBO auf 15%. Und bei den Bischöfen muss man lange suchen – meist gibt es nur ein, zwei, maximal eine Handvoll. In den Gremien sei zu beobachten: Je wichtiger das Gremium, desto weniger Frauen sind drin! Das bis 2024 angestrebte Ziel auf der mittleren Leitungsebene 30% Frauen zu haben bezeichnet sie denn auch als „stolz“.

Frau Straub ist für ihren Kampf wirklich zu bewundern. Sie wirkt energisch, aber nicht verbissen oder verbiestert. Ihre Sprache ist klar, aber respektvoll, ja fröhlich. Sie ist bewusst naiv in ihren Fragen und bringt so Priesterseminaristen und Bischöfe gleichermaßen aus der Ruhe und ins Nachdenken.

Frau Möbius machte klar, dass es mit einem einfachen Ja zur Frauenweihe nicht getan ist. Dann geht der Kampf erst richtig los und das demokratisch-synodale Prinzip, das in den evangelischen Kirchen vorherrscht und von vielen Katholiken ersehnt wird, ist da nicht immer hilfreich.

Ich denke, wenn die evangelischen Kirchen voll wären, dann täten sich die katholischen Priesterinnenaspirantinnen leichter. Dann könnte man mal sagen: So wie die müssen wir’s auch machen! Den Kirchen laufen die Schäfchen davon – den Protestanten sogar noch mehr als den Katholiken! Ich selber bin schon alleine deswegen für die Weihe von Frauen, um endlich Befürwortern und Gegnern gleichermaßen sichtbar zu machen, dass das nicht unser zentrales Problem ist! Das Abendland geht nicht unter, wenn Frauen hinter dem Altar stehen! Aber gerettet wird es dadurch (allein) eben auch nicht.

Das Problem sind m.E. nicht Argumente theologischer Art (Jesus hatte nur Männer als Apostel usw.). Die werden von allen Diskutanten so hingedreht, wie man sie braucht. Dieselben Leute, die mit o.g. Hinweis gegen die Weihe von Frauen stimmen, haben keine Probleme beim Zölibat (Petrus war verheiratet!) andere Bibelverse zu zitieren, die besser in den Kram passen.

Das Problem ist einfach eine Jahrtausende alte massive Tradition! Dass etwas schon immer so war, ist kein besonders gutes logisches bzw. gar kein Argument, aber ein riesiges praktisches Hindernis! Auch muss man bedenken, dass selbst in den westlichen Gesellschaften die Gleichstellung noch keineswegs erreicht ist – so v.a. Pfarrerin Möbius. Umgekehrt gibt es auch in anderen Ländern starke Frauenbewegungen, Ministerpräsidentinnen, Geschäftsfrauen, aber eben auch massive patriarchale Unterdrückung. Die Christinnen und Christen haben in vielen Ländern und Kulturen Afrikas oder Asiens noch einen langen und steilen Weg vor sich eine Emanzipation in Gesellschaft und Kirche zu erreichen. Vielleicht könnte die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen in manchen Regionen der Welt helfen Frauen, auch gesellschaftlich stark zu machen.

In vielen dieser Regionen wächst das Christentum! Aus Sicht von Rom könnte das freilich auch so ankommen: Warum sollen wir die Rezepte der Loser aus Europa und den USA übernehmen, die blühenden Gemeinden in Indien oder Afrika vor den Kopf stoßen und eine Spaltung des Global Player Katholische Kirche riskieren, indem Frauen (jetzt) zu den Weiheämtern zugelassen werden?

Man könnte vorschlagen, nicht alle über einen Kamm zu scheren. Sollen doch die liberaleren Gesellschaften so entscheiden und die konservativeren so, die islamisch geprägten so und die lateinamerikanischen so. Aber droht dann nicht der Spaltpilz oder gar Zerfall der katholischen Kirche analog zu den unzähligen protestantischen Kirchen? Muss man hier nicht den Anfängen wehren? Ein anderer Versuch ist schließlich, neue Ämter zu schaffen, die keine große Tradition im Schlepptau haben. Aber auch hier gibt es nicht nur Vorteile.

Die Forderung nach der Frauenweihe erscheint häufig gemeinsam mit der Forderung nach Abschaffung des Zölibats oder mehr Demokratie in der Kirche als eine von vielen Forderungen nach mehr Liberalität in der katholischen Kirche. Dies halte ich für sachlich falsch und erscheint mir strategisch unklug. Die Zulassung der Weihe von Frauen zu allen Ämtern hat ihre Basis im Neuen Testament, in Jesus selbst. Sie ist nicht erst jetzt möglich und nötig. Die Zulassung wäre ein Schritt, der so hätte schon lange gegangen werden können und müssen (vgl. Gal 3,28!). So wie man schon immer wusste und hätte wissen können, dass Maria leiblich in den Himmel aufgenommen wurde, was aber erst 1950 als Dogma offiziell verkündet wurde. Als Titel für die Enzyklika, die die Zulassung von Frauen zu den Weihen, erlaubt schlage ich übrigens vor: Ecclesia semper dixit…