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"Die Route wird neu berechnet"

Die Route wird neu berechnet – unzählige Male mussten wir seit gut einem Jahr umsteuern, immer wieder neu unsere Aktivitäten planen, dabei in der Unsicherheit vor Krankheit und möglicher Gefahr leben. Wie wurde das erlebt und was bedeutet das für diesen Sommer?

In diesen Tagen kann man in Schulen und Büros, in Fabrikhallen und Werkstätten den erleichterten Seufzer hören: na endlich, es ist soweit, endlich Urlaub, endlich Ferien! Druck und Stress vieler Arbeits- und Schulwochen hören auf, es beginnen die Tage und Wochen der Erholung, der Entspannung, die Möglichkeit neuer Erlebnisse und Erfahrungen, der Erweiterung und Vertiefung des Horizonts unseres Lebens in Reisen und Fahrten, in Wandern und Erleben der Natur.

Nichts ist selbstverständlich. Das Wesentliche im Leben wird uns geschenkt. Wir können es nicht machen. Wir können allerdings unseren Beitrag leisten, dass Leben gelingt, dass Freude gelingt.

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Wir sollen das Entscheidende nicht übersehen: Es kommt in den Ferien nicht darauf an, viel zu erleben, sondern es kommt darauf an, sich selbst zu erleben. 
Ich will und muss in den Ferien zu mir selbst kommen. Ich will und muss über mich nachdenken: Wer bin ich eigentlich? Wie bringe ich meine Tage zu? Was kann bleiben in meinem Leben, was muss anders wer­den? - Will ich die Route neu berechnen lassen? In den Ferien habe ich dazu Zeit und Muße. So sind die Ferien voller Chancen. Nicht umsonst gehören die Wör­ter „Ferien" und „feiern" zusammen. Ferien feiern? 

Heinrich Böll erzählt von einem Gespräch mit einem Fischer am Strand, das über den Urlaub hinaus Anregung sein kann, zur Nachhaltigkeit sozusagen.

Ein Fischer sitzt am Strand und blickt auf das Meer hinaus. Am Morgen hatte er seinen Fang auf den Markt gebracht und verkauft. Er genießt den Blick auf das weite Meer, die Sonne, die sich darin spiegelt, die Vögel, die durch die Luft fliegen und er ist glücklich.
Als er so am Strand sitzt, kommt ein Urlauber vorbei und beginnt ein Gespräch mit ihm über seine Arbeit als Fischer.
„Warum leihen Sie sich kein Geld auf der Bank?“ meint der Urlauber. „Dann könnten Sie sich einen neuen Bootsmotor kaufen und das doppelte fangen. Von dem Verkauf könnten Sie sich ein großes Boot, einen Kutter, kaufen und außerdem noch einen Mitarbeiter einstellen. Sie könnten das Vierfache verdienen. Warum trödeln Sie hier herum? Auch ein drittes Boot ist bestimmt möglich. Das Meer könnte dann viel mehr ausgenutzt werden. Wie wäre es mit einem eigenen Stand auf dem Markt, oder eröffnen Sie ein Fischrestaurant, bauen eine Fischkonservenfabrik!
Der Urlauber war ganz begeistert von seinen Ideen und Vorschlägen.„Und dann?“, unterbrach ihn der Fischer.
„Ja, dann haben Sie so viel Geld, dann brauchen Sie nicht mehr zu arbeiten, brauchen gar nichts mehr tun. Dann können Sie den ganzen Tag am Strand sitzen und glücklich auf das Meer hinausblicken.“
„Aber das mache ich doch schon“, sagte drauf der Fischer.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit!

Ihr Pater Heinrich Mühlbauer SDS

Pfarrer St. Karl Borromäus
im Pastoralen Raum Charlottenburg-Wilmersdorf